Zu Beginn letzter Woche ist die Schlagzeile durch die Medien gegangen, wonach die EU plane, ab 2014 die Roaminggebühren abzuschaffen. Aber des ist nur ein Teil des Vorhabens der EU. Im Endeffekt will die EU den europäischen Telekommarkt vereinheitlichen. Wir haben ein paar Tage vergehen lassen und uns die Details, die dazu noch ans Tageslicht gekommen sind, zusammengefasst.

Bereits mit 1. Juli 2012 hat die EU die Roamingtarife gesenkt. Bis Ostern 2014 will nun die zuständige EU-Kommissarin Neelie Kroes ein Paket vorlegen, wo nicht nur diese komplett abgeschafft werden sollen, sondern im Zuge dessen auch gleich der europäische Telekommarkt vereinheitlicht werden soll. Das würde bedeuten, dass beispielsweise auch die Vergabe der Frequenzen oder die rechtlichen Bestimmungen bei Handy-Verträgen von der EU durchgeführt bzw. vorgegeben werden. All dies soll noch rechtzeitig vor der, im kommenden Jahr stattfindenden EU-Wahl, beschlossen werden.

Zeitplan sehr ehrgeizig
Viele Experten halten diesen Zeitplan für zu ambitioniert. Vor allem die Abschaffung der Roaminggebühren ab Sommer 2014 wird sich nicht ausgehen. Dies bestätigt auch Kroes’ Sprecher Ryan Heath. Er sagt, dass dahingehende Medienberichte schlichtweg falsch seien. Vielmehr könne man ab 2015/16 damit rechnen. Ab Juli 2014 werde nur die strukturelle Entbündelung des Telekommarktes umgesetzt.

Das bedeutet, dass jeder Kunde ab diesem Zeitpunkt auch das Roamingpakt eines anderen Mobilfunkanbieters (auch nicht nationalen) buchen kann. Damit soll ein künstlicher Markt geschaffen werden, wo jeder Handy-Besitzer den für ihn günstigsten Tarif auswählen kann. Ziel der EU ist es natürlich, den Wettbewerb zu entfachen und so die Kosten zu senken. Sollte die EU dieses Vorhaben wirklich durchbringen, wird das aber auch Folgen bei den normalen Tarifen haben.

Tarife werden steigen
Interessanter Weise stoßen die Vorschläge hinsichtlich der Abschaffung der Roaminggebühren der EU-Kommissarin bei den heimischen Mobilfunkbetreibern nicht auf Widerstand. Dadurch wird nämlich den Betreibern die Möglichkeit geboten, die momentan sehr günstigen Tarife zu erhöhen. Dies bestätigt auch der österreichische Telekomregulator Georg Serentschy. Diesen Trend gäbe es aber derzeit europaweit. Man folge dabei dem Vorbild der USA, wo Tarife mit Datenpaketen zu höheren Preisen angeboten werden und die Sprachtelefonie und die SMS mehr oder weniger eine Gratisdraufgabe sind. A1 hat uns vorgemacht, wie das geht – andere Mobilfunkbetreiber werden nachziehen. T-Mobile-Austria-Chef Andreas Bierwirth hat dies in einem Interview mit dem „Standard“ bereits angekündigt. Zudem ist er der Meinung, dass sich zukünftige Tarife an der jeweiligen Datennutzung orientieren sollen. Wir werden auf jeden Fall beobachten, wie sich das Thema weiterentwickeln wird.